Friday 22. November 2019

Gipfelkonferenz ''Leerer Magen - voller Tank!?! Streit um begrenztes Ackerland''

Infobox

Kurzbeschreibung:

Entwicklungspolitisches Planspiel bei dem

ihr euch auf einer Gipfelkonferenz befindet

Keywords: Entwicklungspolitik Planspiel 
Dauer: mind. 150 Min.
TN-Zahl: mind. 12 
ErstellerIn: Bettina Zelenak, Herbert Wasserbauer
eingereicht von/am:  Enchada /2008

 

 

(1) Ablauf

 

Was? Zeit Inhalt Material
Einleitung 5 Min. Zielsetzung und Ablauf des Planspiels  
Einstimmungsphase 10 Min. Im Raum verteilt hängen Artikel und Graphiken zum Thema Lebensmittelkrise & Agrotreibstoffe TN können schmökern Artikel kopieren Tesakrepp Musik
Thematischer Einstieg: Nachrichtensendung 30 Min. Fakten zu den gestiegenen Lebensmittelpreisen, Auswirkungen, mögliche Ursachen, Ankündigung der Gipfelkonferenz Einzelne entwicklungspolitisch relevante Begriffe (im Text markiert) werden auf Zettel geschrieben und von einer Person hochgehalten, wenn sie genannt werden. Powerpoint-Präsentation Beamer Lautsprecher Nachrichtentext Zettel mit Begriffen
Rollenbeschreibungen ausgeben 5 Min. TN bekommen als „KonferenzteilnehmerInnen“ eine Tagungsmappe mit ihrer Rollenbeschreibung, der Spielerklärung, Namensschild und Hintergrundinfos zu ihrer „Delegation“ Mappen Spielerklärungen Rollenbeschreibungen Namensschilder
Einarbeitungszeit 20 Min. Die Gruppen finden einander aufgrund der Farbe ihrer Mappen und haben nun Zeit, ihre Rollen durchzulesen und einen Slogan zu entwickeln, der ihre Position prägnant zusammenfasst. Es gibt die Möglichkeit nachzufragen und in den Artikeln an den Wänden nachzulesen, danach an die Wand geklebt/gepinnt. verschiedene Räume
Konferenz-Smalltalk 10 Min. Die TN treffen aufeinander, stellen sich vor, smalltalken und versuchen, die Positionen der anderen „auszuhören“, Zweck: in die Rollen hineinfinden [in Ktis wegen Zeitmangel ausgefallen] Getränke, Snacks
Eröffnungsrunde 10 Min. Die Delegationen nehmen an den Tischen Platz und haben reihum die Möglichkeit, ihren Slogan zu nennen und ihre Position knapp zu umreißen - Redezeit pro Delegation max. 2 Minuten Tische aufbauen mit Delegationsnamen beschriften
Positionen klären 10 Min. Die Moderation gibt 3 Fragen vor, die die TN durch Aufstellen in 4 Flächen im Raum beantworten können: Stimmen voll zu (++) | stimmen bedingt zu (+) | lehnen bedingt ab (-) | lehnen ab (--) Jede Delegation bekommt die Möglichkeit, ihre Antwort kurz zu begründen 1. Agrosprit ist notwendig, um die Klima-Katastrohe abzuwenden 2. Agrosprit ist die Chance für Länder des Südens, sich wirtschaftlich zu entwickeln 3. Die Entwicklungspolitik der internationalen Organisationen und Industrienationen ist ein wesentlicher Grund der aktuellen Ernährungskrise Zettel mit ++,+,-,-- Band o.Ä. zur Abgrenzung der Felder Thesen auf Plakaten vorbereiten
Ergebnisse erarbeiten 20 Min. Die Delegationen sollen Vorschläge zu einer konsensfähigen Forderung des Gipfels erarbeiten. Absprachen zwischen den Delegationen sind erlaubt. Über die Forderungen wird abgestimmt.  
Entlassen aus den Rollen   Hinausgehen, Abschütteln, Ausweise ablegen  
Pause 10 Min.    
Reflexion des Spiels & inhaltliche Diskussion 20 Min.   Plakat zum Sammeln offener Fragen

 

 

(2) Einstieg: Nachrichtensendung

 

SZ = SprecherIn der Schlagzeilen

NS1 = Nachrichtensprecher: Herr Redtwi-Wasserfall

NS2 = Nachrichtensprecherin: Tia Gramma

A = Anaylstin: Anna Lüse

E = Experte: Johann Sdes-Verstanden 

 

SZ:

 

Die Schlagzeilen der heutigen Sendung:

  • Lieber nackt und barfuß! Eklat im Vorfeld der Fußball Europameisterschaft. In einer Pressekonferenz traten die Spieler aller an der EM teilnehmenden Mannschaften mit einer überraschenden Forderung an die Öffentlichkeit. Sie kündigten an, die Tournierspiele notfalls nackt und barfuß auszutragen, wenn von den Herstellern ihrer Trikots und Fußballschuhe nicht nachgewiesen werden könne, dass ihre Produktion gerecht entlohnt und unter guten Bedingungen erfolge.
     
  • Präsidentin um jeden Preis? Wie erst heute bekannt wurde, sucht die amerikanische MöchtegernPräsidentschaftskandidatin Hillary Clinton nach Alternativen, um doch noch Präsidentin zu werden. Angeblich führt sie derzeit Verhandlungen über eine mögliche Kandidatur im Südseeinselstaat Nauru. Allein Clintons Wahlkampfausgaben von über 100 Mio. US$ übertreffen das BIP des nach der Vatikanstadt und Monaco drittkleinsten Staates der Erde um das dreifache.
     
  • Leerer Magen voller Tank? Bis gestern Donnerstag berieten in Rom auf dem von der Welternährungsorganisation FAO einberufenen Konferenz 4750 hochrangige Delegierte, wie der weltweiten Nahrungsmittelkrise begegnet werden könne. Da diese Versammlung zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis gelangt ist, wurde schon für heute eine Nachfolgekonferenz in Ktiš, Tschechien einberufen, die sich vor allem mit den Gründen der aktuellen Krise auseinandersetzten soll. Wir bringen Analysen und Hintergrundinformation.

 

Durch die Sendung führt Herr Bert Redtwi-Wasserfall

 

NS1:

Im Jahr 2000 wurden von der Vollversammlung der Vereinten Nationen [UNO] 8 sogenannte Millenniumsziele beschlossen. Ziel Nummer 1 ist die Halbierung der Anzahl hungernder Menschen weltweit. Dieses Ziel ist aber durch den sprunghaften Anstieg der Lebensmittelpreise auf der ganzen Welt in unerreichbare Ferne gerückt. Die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen - FAO - schätzt, dass weltweit rund 860 Millionen Menschen nicht ausreichend mit Lebensmitteln versorgt sind, ihr grundlegendes Menschenrecht auf Nahrung, das im Artikel 25 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert ist, wird damit massiv verletzt.

 

Details zum Anstieg der Lebensmittelpreise liefert meine KollegIn Tia Gramma.

 

NS2:

Auf der ersten Grafik, die wir für Sie vorbereitet haben, sehen Sie welchen Regionen der Erde von Hunger betroffen sind. Besonders drastisch ist die Lage in den afrikanischen Staaten Burundi, Sierra Leone, Demokratische Republik Kongo und Eritrea. Der Grund für die aktuelle Verschlimmerung der Situation wird von vielen Expertinnen und Experten in den zuletzt weltweit rasant angestiegenen Preisen für Lebensmittel vermutet.

 

Das International Food Policy Research Institute hat berechnet, dass jeder Prozentpunkt, den die Preise für Grundnahrungsmittel ansteigen, die Zahl der weltweit unter Unternährung leidenden Menschen um 16 Millionen erhöht.

Nun sind aber die Preise innerhalb des letzten Jahres rasant angestiegen, wie die nächste Grafik zeigt. Der von der Welternährungsorganisation FAO berechnete Lebenmittelpreisindex berücksichtigt die weltweiten Preisentwicklungen von Fleisch, Milchprodukten, Getreide, Öl und Zucker.

 

Sehen wir uns diese Komponenten nun noch einmal im Detail an. Die rasantesten Preissteigerungen zeigen sich bei Getreide, Ölen und Fetten. Diese treffen aber vor allem die ärmsten Bevölkerungsschichten [Armut] weltweit, weil sie auf diese Produktgruppen absolut angewiesen sind. Allein in den vergangenen zwei Monaten stieg der Preis von Reis um 75, der von Weizen um 120 Prozent. Mais verzeichnet den heftigsten Anstieg seit Jahrzehnten, wie auch auf den eingeblendeten Grafiken ersichtlich ist.

 

NS1:

Vielen Dank, Tia Gramma.

 

Dass viele Menschen ihren Hunger aufgrund der hohen Lebenmittelpreise nicht mehr stillen können führt zu dramatischen Zuspitzungen in vielen Ländern. Die Weltbank, sonst nicht gerade für schrille Töne bekannt, spricht von "ernsthaften Sicherheitsproblemen" durch hohe Lebensmittelpreise in 33 Staaten. In Haiti kam es schon im April zu Straßenschlachten. Ein UN-Polizist und mindestens sechs weitere Personen kamen ums Leben. Der Ministerpräsident wurde abgesetzt. Ägypten subventioniert den Brotpreis mittlerweile mit über zwei Milliarden Dollar - und kann ein Chaos in den Bäckereien doch nicht verhindern. In vielen Ländern ist die Lage ähnlich dramatisch, ob Rationierungen auf den Philippinen oder Straßenschlachten in Bangladesh und Demonstrationen in Somalia.

 

Die Frage, die uns natürlich alle interessiert, ist: Was sind die Gründe für die horrenden Preissteigerungen bei Lebensmitteln? Dazu ist heute Fr. Univ.-Prof. Anna Lüse zu uns ins Studio gekommen. Guten Morgen Frau Lüse.

 

A: Guten Morgen.

 

NS1:

Wir haben’s so eben im Beitrag gehört, die Lebensmittelpreise steigen enorm mit verheerenden Auswirkung in den sogenannten Entwicklungsländern. Woher kommen diese rapiden Preissteigerungen?

 

A:

Die Gründe der Preissteigerungen sind vielfältig. Viele Expertinnen und Experten beschreiben die Ursachen als ein explosives und sich gegenseitig verstärkendes Gemisch aus ökologischen und ökonomischen Faktoren. Das Ausmaß und Tempo der Preisexplosion ist aber dennoch überraschend.

 

Ein wichtiger Grund sind mit Sicherheit Ernteausfälle, begründet in Dürren, Überschwemmungen, Erosionen - vieles davon direkte oder indirekte Folgen des Klimawandels. In Australien, dem zweitgrößten Weizenexporteur der Welt, hat die Hitze gleich die Hälfte der Ernte vernichtet. Und es ist wohl mehr als wahrscheinlich, das dies nicht der letzte Ernteausfall wegen Trockenheit gewesen sein wird. Ich denke, dass Trockenheit in vielen Ländern eine Realität sein wird, mit der wir leben werden müssen.

 

Ein anderer Grund, der immer wieder genannt wird, ist der rasant steigende Ölpreis. Der verteuert nicht nur das Autofahren, sondern auch die Nahrungsmittelproduktion. Wenn der Ölpreis nämlich steigt, steigen auch die Kosten für Maschinen und vor allem für den Transport der Lebensmittel. Auch der Rohstoff der Kunstdüngerproduktion ist Erdöl.

 

Hinzu kommt, dass weltweit Börsenspekulanten [Börsenspekulation] an den steigenden Rohstoffpreisen mitverdienen. Sie handeln mit Finanzprodukten, die beispielsweise an die Preisentwicklung von Weizen gekoppelt sind. Dass füllt zwar ihre Taschen, trägt aber auch dazu bei, dass Weizen für die Verbraucher noch teurer wird.

 

Ein wichtiger Grund für den Hunger der Ärmsten ist aber auch in veränderten Essgewohnheiten zu suchen. Mit wachsendem Wohlstand wollen die Leute auch endlich etwas anderes essen als immer nur Reis und Brot. Sie wollen sich was leisten. Und sich was leisten - das heißt vor allem: Mehr Fleisch. Im Westen schon längst Massenware, explodiert jetzt auch in den aufstrebenden Schwellenländern, allen voran China und Indien, die Nachfrage nach Tierprodukten. Und diese sind, agrarökonomisch gesehen, deutlich teurer. Für ein Kilo Schweinefleisch muss man vorher mindestens drei Kilo Getreide verfüttern, für ein Kilo Rindfleisch sogar sieben Kilo. Dieses Getreide fehlt dann an anderer Stelle, um die Massen mit einfachem Brot satt zu kriegen.

 

Und eines möchte ich noch zu bedenken geben: Groteskerweise sind viele der jetzt am härtesten getroffnen Länder typische Agrarstaaten. Doch Haiti, Bangladesh oder Vietnam haben ihre eigene Landwirtschaft über Jahrzehnte nicht genug gefördert. Es fehlt da oft an ganz Grundsätzlichem zum Beispiel an Landrechten und Krediten, mit denen man sich eine Existenz aufbauen könnte. Und an Infrastruktur: Wer sein Gemüse auf dem Markt verkaufen will, der braucht ja erst einmal Straßen, um zum Markt zu kommen. [Marktzugang] Doch Straßen gibt es oft nicht, weite Teile der Länder sind gar nicht erschlossen. Deshalb treibt es die Landbevölkerung zu hunderttausenden in die Städte, wo sie nach einer Zukunft und Wohlstand suchen - und oft in elendigen Slums enden.

 

Vor allem globalisierungskritische Gruppierungen und NGOs kritisieren aber auch die Wirtschaftspolitik der reichen Industrienationen. Sie haben über Jahrzehnte ihre Märkte durch hohe Zölle vor billigen Lebensmittelimporten geschützt, gleichzeitig ihre eigene Agrarproduktion massiv subventioniert. [Subventionen] Die westliche Subventions- und Zollpolitik hemmt die heimische Agrarwirtschaft in vielen Entwicklungsländern, wenn sie keinen ausreichenden Marktzugang erhalten. Andersherum überschwemmen die Industriestaaten mit ihren subventionierten Billig-Lebensmitteln die Märkte der Entwicklungsländer. Die Staaten wurden so quasi dazu gedrängt, sich von der Landwirtschaft zu verabschieden. Haiti zum Beispiel hat die Produktion von Reis praktisch aufgeben, obwohl dort Reis ein Grundnahrungsmittel ist.

 

Ein heftig diskutierter, möglicher Grund ist auch, dass immer größere Ackerflächen für den Anbau von Pflanzen zur Energieproduktion - Stichwort: Agrosprit zum Schutz des Klimas - verwendet werden. Die EU hat ja die Beimengung von Treibstoffen pflanzlichen Stoffen verordnet, ist aber zum größten Teil darauf angewiesen, diese aus außereuropäischen Ländern zu importieren. Österreich hat sich in dieser Hinsicht noch viel ehrgeizigere Ziele gesetzt und will bis 2010 10% und bis 2020 20% Alternativtreibstoffe beimengen. Um dieses Ziel zu erreichen müssten aber 70-85% dieser Agrotreibstoffe aus dem Ausland importiert werden.

 

NS1:

Vielen Dank, Frau Lüse.

 

Gerade der letztgenannte Punkt ist aber heiß umstritten. Dass weltweit die Anbauflächen für Agrarprodukte begrenzt sind, ist eine Tatsache. Aber ist es tatsächlich so, dass der mit der Absicht, das Weltklima zu retten eingeführte Agrosprit in Konkurrenz mit der Lebenmittelproduktion tritt? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine hochkarätig besetzt Konferenz im kleinen tschechischen Ort Ktis. Die Vorbereitungen sind bereits im Gange. Aus Ktis meldet sich jetzt unsere Korrespondentin Klara Fall.

 

K:

Guten Morgen Herr Redtwi-Wasserfall. Ja hier beginnen gerade die Vorbereitungen für die Konferenz. Die Delegierten bekommen gerade ihre Tagungsunterlagen ausgeteilt [teilt sie aus]. Die einzelnen Delegationen sind leicht an den Farben ihrer Mappen erkennbar. Sie werden sich vor Beginn der Konferenz noch einmal zurückziehen, ihre Positionen bearbeiten, noch letzte Informationen einholen und in ca. 15 Minuten werden dann die Delegierten hier im großen Verhandlungssaal eintreffen.

 

NS1:

Das heißt, bevor wir wieder live zum Beginn des Gipfels schalten, bleibt uns noch Zeit einige Hintergründe zu liefern, vor denen das der heutige Gipfel zu sehen ist. Wir haben schalten dazu live ins Außenstudio des Projekts „Internationale Entwicklung“ in Wien, von wo aus uns der Entwicklungsexperte Johann Sdes-Verstandn zugeschalten wird.

 

E: Grüßsie!

 

NS1:

Herr Johann Sdes-Verstandn, heute findet ja die Gipfelkonferenz „Leerer Magen - voller Tank!?! Streit um begrenztes Ackerland“ im tschechischen Ktis statt. Als jemand, der mit der Materie nicht so vertraut ist, verliert man ja leicht den Überblick, welche Delegation dort welche Position vertritt und warum. Könnten Sie uns die Zusammenhänge etwas erklären?

 

E: Ja, das mach ich natürlich gern...

[Erklärt einige der entwicklungspolitisch relevanten Begriffe]

 

 

(3) Spielbeschreibung für die TeilnehmerInnen

 

You are the change you want to see in the world.

Ghandi

 

Willkommen!

 

Gipfelkonferenz

„Leerer Magen - voller Tank!?! Streit um begrenztes Ackerland“

 

 

KonferenzteilnehmerInnen

  • Delegation der Regierung des Staates „Richland“
  • Delegation der internationalen Organisation „HTD” (How To Develope)
  • Delegation der Umwelt-NGO „Flower Power“
  • Delegation der entwicklungspolitischen NGO „Global Justice“

 

Tagesordnung – TO

  1. Orientierung
  2. Welcome Talk
  3. Creation of Slogan
  4. Smalltalk
  5. Opening Speeches
  6. Positioning
  7. Final discussion
  8. Good Bye

 

Relevante Definitionen

 

Unter Agrotreibstoffen versteht man Biodiesel und Bioethanol. Biodiesel wird großteils aus pflanzlichen Rohstoffen wie Raps-, Sonnenblumen- oder Palmöl hergestellt. Bioethanol wird hauptsächlich aus Mais, Getreide, Zuckerrohr oder Kartoffeln gewonnen.

 

 

Hard Facts

  • EU – Richtlinie: Ersetzen der Treibstoffe durch erneuerbare Kraftstoffe im Sektor Verkehr bis zum Jahr 2010 über 5%, bis 2020 über 10%.
  • "Nur 30 Milliarden Dollar" (20 Milliarden Euro) pro Jahr wären notwendig, um Hunger und Unterernährung auszurotten, sagte Jacques Diouf, Generaldirektor der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO). Dem stünden 1200 Milliarden Dollar im Jahr für Rüstungsausgaben gegenüber. "Die Zeit des Redens ist vorbei, jetzt ist die Zeit zu handeln."
  • 862 Millionen Menschen leiden weltweit an Hunger oder Unterernährung
  • In der Schweiz könnten nur 1,8 Millionen Menschen so leben wie heute, wenn sie sich ausschließlich von heimischen Ressourcen erhalten würden. Das heißt, die Schweiz ist mit ihren 5,8 Millionen Einwohnern zu 300% überbevölkert!
  • In Deutschland leben 224 Menschen pro Quadratkilometer, in China nur 150 und in Äthiopien gar nur 12.
  • In Deutschland gibt es mehr PKW als in ganz Afrika.
  • Das Bevölkerungswachstum in England (0,2%) trägt viermal soviel zum Treibhauseffekt bei als jenes von Bangladesch (2,3%), da jedes Neugeborene in England ein Vielfaches an Energie und Ressourcen konsumiert.

 

Staune über ein anderes Bild der Welt.

Lerne die Kleinheit unseres Planeten kennen.

Teile die Hoffnung auf die großen Wenden.

Erkenne: eine andere Welt ist möglich.

Lebe bewusst und mit Verantwortung.

Stelle dich den Herausforderungen der Zukunft und

habe Spaß dabei

Erkenne die Schwächen des existierenden Wirtschaftssystems,

die Mängel der existierenden Politik und

beteilige dich an der Wende.

Gestalte deine Welt!

www.footprint.at

 

 

(4) Rollenbeschreibungen

 

Gipfelkonferenz

„Leerer Magen - voller Tank!?! Streit um begrenztes Ackerland“

 

 

DELEGATION DER INTERNATIONALEN ORGANISATION „HTD” (HOW TO DEVELOPE)

 

 

Hintergrund zu HTD

HTD wurde 1988 gegründet. Die zentrale Aufgabe von HTD ist es, den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt in den Entwicklungsländern zu fördern und deren Produktivität mit dem Ziel zu steigern, den Menschen zu besseren Lebensbedingungen zu verhelfen.

HTD gewährt Ländern Darlehen und Kredite, mit Konditionen die partizipativ erarbeitet werden sollen. HTD legt den Fokus auf die Finanzierung von Projekten und Programmen, die Wirtschaftlichkeit für die betroffenen Ländern versprechen. HTD hat ein Programm entwickelt, dass Ländern helfen soll, sich zu entwickeln. Dabei setzt HTD auf Privatisierung, Deregulierung und Liberalisierung der Wirtschaft, Reduktion der staatlichen Sozialausgaben auf ein langfristig finanzierbares Niveau. Motto: Eine freie Marktwirtschaft wird die Massenarmut reduzieren!

Die Stimmen der Mitgliederstaaten von HTD haben mehr Gewicht je mehr Kapital sie mitbringen.

HTD wird von KritikerInnen stark in Frage gestellt.

 

 

Position zu Ernährungskrise und Agrosprit

  • HTD sieht ein Problem in der aktuellen Nahrungskrise und sieht Handlungsbedarf: eine neue Grüne Revolution ist notwendig
  • HTD meint, die Wetterbedingungen sind bald wieder besser. Sobald die Erträge besser sind, werden auch die Preise niedriger. Das wird die Panik reduzieren, die von MarktteilnehmerInnen und einigen Regierungen ausgegangen ist und einen Beitrag zur Preissteigerung geleistet hat.
  • Kurzfristig muss Soforthilfe geleistet werden, um den Hunger zu stillen: HTD ist für eine Aufstockung der Mittel des Welternährungsprogramms.
  • Landwirtschaftliche Handelspolitik muss reformiert werden. Regulative Politiken haben sich als wirkungslos gezeigt, vor allem in den mittel- und langfristigen Auswirkungen. Fördermittel und Subventionen in landwirtschaftliche Exporte haben dazu beigetragen, die Landwirtschaft und auch die soziale Stabilität in Entwicklungsländern zu zerstören. Märkte haben Potenzial, Überschuss und globale Nachfrage im Gleichgewicht zu halten. HTD will eine stärkere Liberalisierung der Märkte und weniger staatliche Maßnahmen, die Nahrungspreise regeln.

 

 

Kritik an HTD – vor allem von Flower Power und Global Justice

KritikerInnen werfen HTD vor, die sensible globale Agrarproduktion einer Markt- und Handelspolitik unterworfen zu haben, die sie allein unter dem Gesichtspunkt komparativer Vorteile auf den Weltmärkten und der Economy of Scale zu optimieren versuchte. Mit dieser verengten Weltsicht zwangen vor allem die großen multilateralen Kreditinstitutionen in den 90er Jahren die Regierungen der Entwicklungsländer, ihre Fördermittel und Verteilungsstrukturen für die Bauern weit gehend einzusparen; auch Vermarktungsorganisationen und Genossenschaften wurden aufgelöst statt reformiert.

 

 

DELEGATION DES ENTWICKLUNGSPOLITISCHEN DACHVERBANDES „GLOBAL JUSTICE“

 

 

Hintergrund zu Global Justice

Global Justice ist ein entwicklungspolitischer Dachverband im Land „Richland“. Global Justice koordinierst schon seit Jahren die Arbeit verschiedenster entwicklungspolitischer Organisationen im Land. Die Ziele des Verbands sind die Sicherstellung einer nachhaltigen Entwicklung für alle Menschen. Die verschiedensten VertreterInnen der NGOs treffen sich zwei Mal im Jahr, um relevante Themen zu besprechen, gemeinsame Strategien zu entwickeln, gemeinsam Lobbyarbeit für PartnerInnenorganisationen der Länder des Südens durchzuführen, die Strukturen im Norden zu ändern, um die globale Situation gerechter, fairer und gleicher zu gestalten.

 

 

Kernproblematik: Ernährungskrise und Agrosprit

  • Der Trend zu Agrosprit kann die Nahrungsmittelknappheiten verstärken und das Ungleichgewicht zwischen ärmeren und reicheren Ländern verschärfen.
  • Entstehende Gefahr: Nutzung von Anbauflächen zur Erzeugung von Kraftstoffen, um Exporte zu steigern, statt die vom Hunger betroffene Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen.
  • Elementare Rechte, wie das Recht auf Nahrung, werden bedroht.
  • Der weltweite Boom von Energieerzeugung auf Basis agrarischer Rohstoffe forciert das Modell einer industriellen, exportorientierten Landwirtschaft auf Kosten einer kleinstrukturierten, kleinbäuerlichen Produktion.
  • Die Produktion von biogenen Treibstoffen ist vielfach in den Händen von internationalen Agro- und Energiekonzernen, Finanzinvestor/innen und Großgrundbesitzer/innen und reproduziert unter anderem folgende Probleme: Konzentration von Macht, Verdrängung von Kleinbäuer/innen, meist katastrophale Arbeitsbedingungen, Ausbeutung natürlicher Ressourcen (Grundwasser) und die Bedrohung sensibler Ökosysteme.
  • Agrotreibstoffe sind dann sinnvoll, wenn sie regional produziert und verwendet werden. Positive Beispiele von Partner/innenorganisationen sind zum Beispiel kleine Destillieranalgen für Bioethanol in Brasilien oder die Verwendung der Jatrophapflanze in Teilen Afrikas oder auch auf den Philippinen. Hier bekommen die Kleinbäuer/innen in den so genannten „Entwicklungsländern“ eine Chance und der Wegfall von weiten Transportwegen leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Eine Förderung biogener Treibstoffproduktion ist nur zulässig, wenn die Einhaltung von ökologischen und sozialen Mindeststandards sichergestellt ist.

 

 

Kritik an HTD und Richland 

  • HTD hat in den vergangenen Jahrzehnten als Auflage für ihre Entwicklungskredite stets gemacht, jene staatlichen Maßnahmen abzubauen, die Nahrungspreise regeln oder die Bauern unterstützen. Diese verfehlte Politik muss sich ändern. Konkret heißt das, dass die Entwicklungsländer zum Beispiel wieder Getreidereserven halten dürfen. Oder aber, dass verstärkt Investitionen in eine nachhaltige, kleinbäuerliche Landwirtschaft fließen. Wichtig wäre zudem, die Bauern beim nachhaltigen Anbau und dem Verkauf ihrer Produkte zu beraten und sie mit Saatgut versorgen.
  • Weil die Preise über Jahre viel zu niedrig waren, gab es für viele Bauern keine Anreize, in ihre landwirtschaftliche Produktion zu investieren
  • Industrieländer müssen ihre falsche Politik revidieren: die Industrieländer müssen ihr Subventionssystem sozial und ökologisch reformieren und nicht länger in bilateralen Handelsverträgen darauf insistieren, dass die Entwicklungsländer ihre Grenzen öffnen müssen. Die Abhängigkeit vom Weltmarkt verschlechtert die Situation für ärmere Länder.

 

 

DELEGATION DER REGIERUNG DES STAATES „RICHLAND“

 

 

Situation im Land

Richland ist eines der reichsten Länder der Welt. Du, als VertreterIn dieses Landes, willst die Situation in deinem Land aufrechterhalten bzw. verbessern. Die richländischen StaatsbürgerInnen sollen genug Arbeitsplätze zur Verfügung haben, über ein gesichertes Einkommen verfügen, und so die Wirtschaft ankurbeln, ganz nach dem Motto „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut!“

 

 

Verpflichtende Umweltstandards

Richland ist seit Jahren durch „We are World“ dazu aufgefordert, die Treibhausgasemissionen des eigenen Landes zu verringern, um die globale Erwärmung nicht noch weiter voran zu treiben. Pro Jahr liegt der Pro Kopf Verbrauch für Treibstoffe in Richland bei 1 280 l. Das ist viermal mehr als der Weltdurchschnitt von 352l. Dein Land verbraucht viel Energie und es ist unrealistisch, einzusparen. Du setzt auf den verstärkten Einsatz von Agrotreibstoffen als Strategie zur Reduktion der Treibhausgasemission. Du findest die verpflichteten Richtlinien der Mitgliedstaaten des „Clubs of Power“, bis zum Jahr 2010 über 5%, bis 2020 über 10% der Treibstoffe durch erneuerbare Kraftstoffe im Sektor Verkehr zu ersetzen, sinnvoll und effizient.

 

 

Ernährungskrise

Mit der aktuellen Ernährungskrise hat Richland deiner Meinung nach nichts zu tun. Das Problem liegt an den Umweltkatastrophen, Dürren und daraus resultierenden schlechten Ernten, am hohen Ölpreis und an der gesteigerten Nachfrage nach Fleisch durch Schwellenländer. Ganz klar: wenn jetzt alle InderInnen zwei Mal pro Tag Fleisch essen und alle ChinesInnen Milch trinken, werden unsere Ressourcen knapp!

Mögliche Maßnahme: Die Mitgliedstaaten des „Clubs of Power“, sollen ihre Produktion steigern, um den Hungernden zu helfen

 

 

DELEGATION DER UMWELT-NGO „FLOWER POWER“

 

 

Hintergrund zu Flower Power

Flower Power ist eine Organisation, die das Ziel einer nachhaltigen Lebensweise hat.

 

 

Kernproblematik: Ernährungskrise und Agrosprit

  • Diese Ausweitung der Ackerflächen birgt zahlreiche Gefahren: Gentechnik, Monokulturen und Plantagen vernichten Regenwälder, gefährden die Biodiversität.
  • Fruchtbarer Boden ist eine begrenzte Ressource: die bewirtschafteten Flächen können nicht grenzenlos ausgebaut werden.
  • Durch Umwandlung bisher nicht landwirtschaftlich genutzter Flächen und Intensivierung der Bewirtschaftung werden große Mengen an Treibhausgasen freigesetzt. Betrachtet man den gesamten Energieverbrauch – vom Anbau der Pflanzen bis zum Abfüllen in den Tank, bleibt von den Treibhausgaseinsparungen nicht viel übrig.
  • Ein Tank voll Agrosprit kann einen Menschen ein Jahr lang ernähren.
  • Alternativen: Die Verwertung von Abfällen wie zum Beispiel Sprit aus Altspeiseöl, Tierexkremente oder Biogas aus Kläranlagen.
  • Das eigentliche Problem: In Österreich lag im Jahr 2006 der Pro Kopf Verbrauch für Treibstoffe bei 1 280 l. Das ist viermal mehr als der Weltdurchschnitt von 352l.
  • Um die Ernährungskrise nicht noch weiter zu verschärfen und dem Klimawandel entgegenzuwirken, müssen die Industrieländer den Energieverbrauch stark reduzieren.
  • Weniger Energie verbrauchen!
  • Um eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten, ist es notwendig, auf erneuerbare Energiequellen umzusteigen.
  • Das Vorurteil, der Bioanbau produziere nicht genug, kann man ad acta legen
  • Entwicklung stellt den ganzen westlichen Ernährungsstil mit großen Mengen Fleisch in Frage, der weltweit als Vorbild gilt

 

 

25.06.2014

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