Montag 24. September 2018

Eine Stadt etwas zum Leuchten bringen

Samstag Abend. Unser KJ-Neunsitzer bewegt sich heim Richtung Linz. Mit an Bord sind drei (junge) Männer mit weißen T-Shirts und ein älterer Mann ganz in Weiß. Letzterer ist aus Karton und hat uns als Aufsteller und Blickfang bei der Aktion „Selfie mit dem Papst“ in Wiener Neustadt gedient, die wir die letzten Tage

(7. - 10. Juni 2018) zweimal im öffentlichen Raum durchgeführt haben – als Hinweis auf die kommende Jugendsynode im Herbst.

Was bleibt von der viertägigen Veranstaltung „Jesus in the City“ in Erinnerung? Das frage ich mal die Mitfahrer.

 

Für Jan war es bei den Kapuzinern super, weil die Leute im Kloster alle gut miteinander ausgekommen sind, viele helfende Hände haben sich ergänzt, es war sehr harmonisch, viele Gespräche mit bisher Unbekannten haben sich ergeben.

Die Leute, die bei unserer Aktion stehen geblieben sind, waren bereit, jeweils ein paar Worte zu wechseln und haben nicht nur das Foto mit dem Papstaufsteller gemacht – daraus sind ein paar echt nette Gespräche entstanden. Das gratis Festessen für alle am Samstag Abend empfand er als tolle Idee – die Durchmischung war spürbar, und eine ganz tolle Stimmung am gut gefüllten Platz in den Bierbankreihen war für ihn wahrnehmbar.

 

Elias meint ergänzend, es sei einerseits spannend zu sehen, wie sehr sich manche Menschen für das begeistern lassen, was wir anbieten. Interessant andererseits, damit umgehen zu müssen, dass manche bei der Aktion nur vorbeigehen: desinteressiert, gleichgültig.

Mit Ablehnung und Nichtinteresse umzugehen, das arbeitet auch nach, da es nicht nur um einen Werbeartikel geht, für den wir auf die Straße gehen, sondern um unseren Glauben.

 

Persönlich habe ich recht intensive Gespräche in Erinnerung. Zwei davon haben mit einem Kontrapunkt zum Papst begonnen.

Wieso wir den Papst wie einen Star verehren und Maria? Wertschätzen ist wohl der passendere Ausdruck, finde ich. Immerhin tut Franziskus, soweit wir das einsehen können, was er sagt. Er setzt Zeichen – zum Beispiel auf Lampedusa in Bezug auf die, übers Mittelmeer Flüchtenden. Er spricht von einer verbeulten Kirche bei den Menschen, die ihm wichtiger ist, als eine schön dekorierte, die sich nur um den heiligen Rest kümmert. Er steht nicht auf prunkvolle rote Schuhe und lädt im Rahmen der Eröffnungsansprache bei der Vorsynode für den synodalen Vorgang heuer im Herbst Jugendliche ein, auch Risiken einzugehen, zum Beispiel bei ihren Formulierungen, wie sie sich eine zukünftige Kirche vorstellen. Da hätten wir grad was, werter Papst Franzsikus. Zu finden bei unseren Positionierungen der kj oö:  H www.dioezese-linz.at/positionierungen. Halt – ich schweife ab.

 

 

Jesus in the city
Jesus in the city
Jesus in the city
Jesus in the city

 

Das erste der beiden Gespräche hat sich darum gedreht, was jetzt wirklich glaubensrelevant ist – die einfache Grundaussage des Wanderpredigers aus Südtirol: solo Jesus basta. Also: Jesus alleine genügt – wieso Umwege über Maria, wieso Umwege über die Heiligen machen, hat er gemeint. Der unmittelbare Weg über Jesus ist der zielführende. Da sind wir ja gar nicht so weit auseinander. Was die Wertschätzung von Tradition betrifft, treffen wir uns dann aber nicht mehr. Bei den Bibelübersetzungen haben wir auch unterschiedliche Zugänge, was denn nun vertretbar ist und was nicht, wobei wir einig sind, dass es am besten wäre von den, zum Beispiel griechischen Urtexten in ihren jeweiligen Zusammenhängen die Textpassagen auszulegen. Sein Lebensweg interessiert mich und wie er seine Tätigkeit mit der Familie daheim und seinem Job vereinbaren kann. Er antwortet in großer Offenheit darauf und benennt auch, dass nicht immer alles so glatt geht, er aber auch immer wieder Energie daraus bekommt, wenn er sich engagiert in den Dienst der Sache Jesu stellt.

 

Das zweite Gespräch hat sich eher im Nachgang ergeben, ein Mann geht an uns vorbei – wir laden ihn zum „Festmahl für alle“ vor den Wiener Neustädter Dom ein. Den Folder hat er mitgenommen und sich unweit von uns niedergelassen. Auf meine Nachfrage beginnt ein Gespräch über biblische Inhalte, den Starkult, den wir um den Papst machen und den er nicht für angemessen hält, Sexualmoral der Kirche, politische Strömungen und dass die Gefahr eines Rechtsrucks spürbar ist, und letztlich landen wir bei Besonderheiten von Kinofilmen.

 

Ansonsten sind bei uns stehen geblieben: ältere Menschen, Familien mit Kindern, Jugendliche und junge Erwachsene. Erwachsene eher in Gruppen – darunter zwei Mädels, die gerade von der mündlichen Matura kommen, die sie beide geschafft haben. Im Wesentlichen löst die Aktion positive Resonanz aus, manchmal ernten wir auch nur ein Lachen, manchen ist sie einfach egal – offene Ablehnung haben wir in den jeweils drei Stunden aber nicht zu spüren bekommen.

 

 

Jesus in the city
Jesus in the city
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Jesus in the city

 

Dass wir Eva Wimmer, die ehrenamtlich die Veranstaltung moderiert hat und auch als Jugendvertreterin bei der Pressekonferenz war, mehrfach getroffen haben, hat mich persönlich sehr gefreut, einige KJ-ler/innen sind uns auch begegnet – schön, immer wieder Bekannte zu treffen.

 

Das Konzert am Freitag Abend war von total guter Stimmung geprägt, auch wenn sich dort weit nicht so viele Besucher/innen eingefunden haben, wie die Veranstaltungshalle gefasst hätte.

Die Predigt über die Bibelstelle zum zwölfjährigen Jesus im Tempel beim Gottesdienst am Samstagmorgen unter dem Titel „Jesus lost in the city“ war ermutigend, genauer hinzusehen und zu erkennen, wann es Zeit ist umzukehren und (wieder) nach Jesus zu suchen.

 

Das Kapuzinerkloster – die Schaltzentrale in den Tagen - ist in seiner Substanz faszinierend – schön hergerichtet und altehrwürdig. Wir dürfen dort in einem Zimmer mit der you-Band unser Quartier aufschlagen. Aber in dem Raum verbringen wir ohnehin nur Zeit für den kurzen Schlaf. Am Vorplatz ist eine Begegnungszone errichtet, mit den Farben der Veranstaltung und einfachen Palettenmöbeln mit Tischen, über die Sonnenschirme gespannt sind. Ein Weißrusse aus der Gemeinschaft des Vaters, die es seit zwei Jahren in Pinkafeld gibt, erkundigt sich nach unserem Zugang zur Jugendpastoral in der Diözese Linz – ob er alles verstanden hat, was ich ihm gesagt habe, das weiß ich nicht. Er hat offensichtlich großes Interesse daran, wie wir auf Jugendliche zugehen und was wir tun, um sie mit der Botschaft und der Freude des Evangeliums in Kontakt zu bringen und lässt sich meine Telefonnummer geben.

Beeindruckt hat mich, dass die Idee des Festmahls für alle aufgegangen ist – für 500 Personen geplant – ist dieses Ziel meinen Einschätzungen zufolge auch wirklich erreicht worden. Es sind wirklich viele auf den Domvorplatz gekommen, nicht nur die Bischöfe Werner, Scharl und Turnovzsky, nicht nur unzählige helfende Hände von KJ und anderen religiösen Gruppierungen, sondern auch Familien mit Kindern, einige der Personen, die wir am Nachmittag in der Fußgängerzone eingeladen haben – Menschen mit Tattoos und ohne, mit heller und dunkler Haarfarbe, elegant und schräg gekleidete Personen, Alte und Junge, Menschen in Rollstühlen und Sportliche in modischen Sneakers … und das Schöne ist – da gibt es kaum "Sitzghettos" – die Teilnehmer/innen an JITC sitzen neben dem Bettler, der am Nachmittag auf einem Kartonschild noch um Almosen gebeten hat. Eine gute Stimmung am Platz, bei Weckerln und Aufstrichen, Couscous mit Currysauce und diversen Mehlspeisen als Abschluss und Getränken.

 

In Summe bleibt der Eindruck, dass ich mit Menschen in Kontakt gekommen bin, die bereit sind, ihren Glauben auf die Straße zu tragen, die gerne bewegte Lieder singen, die eine soziale Ader haben und gerne beten, vielfach für die Menschen in ihrer Umgebung. Erlebt habe ich einen Austausch über Gruppierungsgrenzen hinweg und eine Freude am gemeinsamen Tun. Gut, ich werde mich vermutlich nicht so schnell im Lobpreiszelt am Hauptplatz einbringen, muss ich aber auch nicht – es gibt genug andere, die das tun. Für mich gibt es viele berechtigte Anliegen, in unterschiedlicher Weise Zugänge zur christlichen Botschaft zu eröffnen, es ist eine Vielfalt, die unserem christlich-katholischen Glauben auch die Chance gibt, andockfähiger zu sein, als würde es nur einen Mainstream geben. Hat auch was von „Kirche weit denken“, was ich hier in den letzten Tagen erlebt habe.

Christoph Burgstaller

 

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