Friday 19. July 2019
  • SING.INN 2019!

     

     

    Singen, Chor, Percussion, Pop & Rock, Gitarre, Urlaub ... und DU!

    Die Chorwoche für Jugendliche und junge Erwachsene.

     

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    29. August - 1. September 2019

  • Eine lässige Sommerwoche für Jugendliche ab 14 Jahren.


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    21.- 26. Juli 2019

Interview mit Breiti von den Toten Hosen

Am Rande des Tote-Hosen-Konzerts im Juni (Linz) gab Gitarrist Michael „Breiti“ Breitkopf ein exklusives Interview. Ein Gespräch über jugendlichen Selbstwert, Solidarität und Flüchtlingspolitik.

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Foto: Breiti von den Toten Hosen /Credit: Paul Ripke

 

Heuer wird es beim Jugendsonntag im November um das Thema – „#nofilter needed – du bist unvergleichlich“ gehen. Als Jugendlicher musst du dich nicht ständig verstellen oder deine Fotos überarbeiten, sondern du bist so wertvoll und liebenswert wie du bist, soll dabei zum Ausdruck kommen.

 

Daniela: Breiti was sagst du zu dem Druck, den Jugendliche verspüren, sich nach außen hin perfekt zu präsentieren? Kennt ihr diesen Druck als Band auch, dass ihr euch ständig cool und gut präsentieren müsst?

 

Breiti: Wir hatten einen sehr großen Startvorteil. Als wir angefangen haben zu spielen, haben wir uns als Teil der Punkbewegung gefühlt und da ging es eben ausdrücklich nicht darum, dass man toll aussehen oder was darstellen muss. Man musste auch nichts können, um in einer Band zu spielen. Insofern haben wir diesen Druck von außen nie gehabt. Es ging auch später, als wir bekannt wurden nie darum, dass wir gut aussehen müssen oder so. Sondern es war Teil von unserem Selbstverständnis und von der Punkbewegung, dass man sich selbst nicht so ernst nimmt und sich immer wieder mit Selbstironie betrachtet. Offensichtlich kann man auch so mit einer Band bekannt werden und halbwegs erfolgreich sein. Jedenfalls betrachte ich es als Geschenk, dass wir diese Mechanismen nie mitmachen mussten und von Anfang an auch nicht wollten.

 

Daniela: Ihr seid damals in Flohmarktklamotten aufgetreten und habt meinem Empfinden nach, darauf gepfiffen was die anderen Leute und Schulkollegen über euch denken oder sagen.

 

Breiti: Wir wollten ja nicht mal die damals üblichen Punkklamotten tragen. Wir wollten wirklich anders sein und wie wir damals rumgelaufen sind, dass hatte sonst niemand an. Teilweise haben die Leute uns auf der Straße beschimpft oder mit Steinen beworfen, oder die Polizei hat uns in irgendwelchen Dörfern, wo wir zwischendurch Pause gemacht haben, erklärt, wir müssten innerhalb von 10 Minuten den Ort verlassen. Und wir sahen wirklich aus wie Vogelscheuchen – wenn man sich die Bilder im Nachhinein so ansieht heutzutage, dann haben wir da, ohne es zu wissen, manchmal etwas getroffen, was mit ein paar Jahren Abstand dann super ausschaut. Doch zu der Zeit sah es total scheiße aus und war auch so gemeint.

 

Daniela: Woher kam dieser Selbstwert, dieses Selbstvertrauen einfach so zu sein, wie ihr sein wolltet?

 

Breiti: Das ist eine gute Frage. Denn gerade, wenn man so 18, 19, 20 ist, dann sucht man ja seine Rolle und sein Selbstwertgefühl. Bei uns hat die Musik und die Punkbewegung auf jeden Fall sehr geholfen. Das hatte eine irrsinnige Power, die man sich heute, wenn man einfach nur die Lieder hört, nicht mehr so vorstellen kann. Aber zu dieser Zeit war es sehr ungewöhnlich, so einfache Musik mit so tollen Melodien und solcher Kraft zu spielen. Dann war eine der Ideen: Lass nicht andere was mit dir machen, sondern mach einfach selber! Wir hatten das Thema ja schon, egal ob du Talent hast oder nicht – nimm eine Gitarre und spiel los. Da haben wir unsere Kraft und unsere Energie hergenommen und das war toll sowas einmal im Leben, eben grad im richtigen Alter, so zwischen 15 und 25, zu fühlen.

 

Daniela: Ist das Leben auf Tour und auf der Bühne für euch Alltag?

 

Breiti: Auf der Bühne, das ist bei uns nicht Bestandteil des Alltags im engeren Sinne, so als ob es für uns normal wäre. Sondern das ist ein untrennbarer Teil unseres Lebens. Für uns ist es jedes Mal ein Fest, wenn wir auf die Bühne gehen – egal ob in einem Club, einer großen Halle oder bei einem noch größeren Konzert. Uns ist voll bewusst, dass dies nicht selbstverständlich ist. Denn es ist ein Geschenk das immer noch machen zu dürfen, weil sich immer noch so viele Leute für unsere Musik interessieren. Und auch die ganzen kleinen Details, damit es ein tolles Konzert für viele tausende Leute wird. Der Sound, das Licht und die Bilder, die wir zu unseren Liedern zeigen, da arbeiten wir Monate lang darauf hin. Das ist unsere Leidenschaft, das sind unsere Festtage und das ist aber auch unsere Arbeit, die wir lieben. Wenn es auch mal nervt und man die anderen zum Mond schießen könnte, aber das alles ist einfach Teil von unserem Leben.

 

Daniela: Jetzt zu einem ganz anderen Thema – eurem Engagement gegen Rechts und für Flüchtlinge. In den Neunzigern gab es Bombendrohungen gegen Fernseh- und Radiosender, die euer Lied „Sascha ein aufrechter Deutscher“ spielten, und trotzdem wurde es ein großer Erfolg. Wie kam es zu dieser klaren Stellungnahme in einer Zeit, in der ihr ja schon recht bekannt wart? Als Künstler müsste man sich zu politischen oder gesellschaftlichen Themen ja nicht unbedingt äußern. Warum macht ihr es trotzdem und noch dazu so deutlich?

 

Breiti: Zum einen hat es damit zu tun, dass die Generation unserer Eltern die Nazidiktatur und den Krieg voll miterlebt hat. Vier Brüder meines Vaters, die zwischen 19 und 26 Jahre alt waren, sind im Krieg umgekommen – worunter er sein Leben lang zu leiden hatte. Die Familie meiner Mutter hat ihre Heimat Schlesien durch den Krieg verloren. Als sehr katholische Familie litten sie unter den Nazis. Wir alle sind mit diesen Geschichten groß geworden und da war es für uns gar keine Frage, dass unsere Grundhaltung ist: Das so etwas in Deutschland, oder auch irgendwo sonst auf der Welt, nie wieder passieren darf und soll! Auch die Punkbewegung war antirassistisch und hat sich ganz bewusst mit Ska- und Reggae- Musikern und Bands verbündet. Und schon in den 80er Jahren mussten wir uns mit Nazis und Skinheads rumschlagen – auch wortwörtlich. Das war von Anfang an Teil unserer Band-DNA, dass wir auf jeden Fall pro-demokratisch und antirassistisch sind und unseren Beitrag dazu leisten wollen, dass so etwas wie Ausschwitz – als Symbol für das große Ganze – nie wieder passieren darf. Mit der Zeit haben wir eben unseren Weg gefunden, um das nicht nur in unseren Liedern oder spontanen Aktionen zu kanalisieren. Daraus und durch die Ereignisse Anfang der 90er Jahre, als es eine unfassbare Welle fremdenfeindlicher Gewalt in Deutschland gab, ist zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Pro Asyl entstanden, auch die Oxfam-Kampagnen unterstützen wir seit einigen Jahren. Es gibt eine Zusammenarbeit mit „Kein Bock auf Nazis“, die viele Aktionen an Ostdeutschen Schulen machen, um der Propaganda von Nazis dort etwas entgegen zu setzen. Wir nützen gern unsere Möglichkeiten oder auch unsere Popularität, um auf die Arbeit von solchen Organisationen hinzuweisen.

 

Anmerkung der Redaktion: Für alle, die das Lied nicht kennen - Stream und Songtext

 

Daniela: Letztes Jahr war die Echo-Verleihung bei meinen Jugendlichen ein großes Thema. Campino fand im Namen der Band bei der Verleihung sehr klare Worte, was in der Musik passend ist und was nicht. Redet ihr euch ab, was gesagt wird? Oder kommt das von Campino allein?

 

Breiti: Es war so, dass wir uns sehr genau überlegt haben, wie wir diese Situation für uns am besten lösen. Gar nicht hin zu gehen und nichts zu sagen war keine Option. Gemeinsam hinzugehen und so zu tun als ob nichts wäre, war auch keine Alternative. Daher haben wir entschieden, dass Campino allein hingeht. Der Inhalt war für uns mehr oder weniger klar, aber die Worte musste Campino selber finden, da er es ja auch sagen und rüberbringen musste, was ihm, finde ich, sehr gut gelungen ist.

 

Daniela: Flüchtlinge sind ein Thema, das derzeit polarisiert wie beinahe kein anderes. Was denkst du zur aktuellen Entwicklung der Flüchtlingspolitik?

 

Breiti: Das in wenigen Worten zu sagen ist echt schwer. Ich versuch mal eine Kurzversion, obwohl die Vorgeschichte dazu sehr wichtig wäre. Egal um welches Land es sich handelt – Deutschland, Österreich, Ungarn, Italien oder andere Länder – es ist leider so, dass das ganze System in Europa auf Abwehr ausgerichtet ist. Wir nehmen billigend in Kauf, dass in unserem Namen daran gearbeitet wird, dass Flüchtlinge Europa nicht mehr erreichen. Dass sie im Gegenteil zu tausenden im Mittelmeer ertrinken. Private Organisationen, die Seenotrettung leisten, die wahrscheinlich älteste Hilfeleistung der Menschheitsgeschichte, werden kriminalisiert, um Druck auf sie auszuüben und um sie daran zu hindern, diese Arbeit auszuführen. Flüchtlingen werden grundlegende Menschenrecht aberkannt. Sie werden nicht ausreichend medizinisch versorgt und ernährt, und sie müssen teilweise unter unmenschlichen Bedingungen leben. Vielen Menschen, wird von vorneherein jede Teilnahme am Leben bei uns völlig unmöglich gemacht. All das schafft auf Dauer neue Probleme, die dann wieder den Flüchtlingen angelastet werden, die aber überhaupt nichts dafür können.

 

Daniela: Handelt ihr aus christlicher Überzeugung?

 

Breiti: Wir würden das jetzt nicht christlich begründen. Ich würde das so sehen: Dadurch, dass es Menschen gibt, ergibt sich der Wunsch und der Drang, aber genauso auch die Verpflichtung, zur Solidarität untereinander. Wir brauchen dafür nicht den christlichen Glauben, um das für uns zu begründen oder zu fühlen, akzeptieren aber auch und finden es völlig in Ordnung, wenn andere das so sehen oder so leben.

 

Daniela: Welche Lebenserfahrung möchtest du jungen Menschen auf ihrem Lebensweg mitgeben?

 

Breiti: Das ist jetzt so eine Frage - da kann ich ja allergrößten Schaden anrichten, wenn ich nicht aufpasse. (lacht) Ich habe keine Botschaften zu verkünden und muss auch niemanden sagen, was er zu tun oder zu lassen hat. Ich kann nur sagen was mir und uns als Band und mir mit meinen Freunden wichtig ist. Wir haben ja schon über Solidarität zu anderen gesprochen, das ist total wichtig! Zum einen, weil ich glaube, dass das eine Verpflichtung ist, und zum anderen, weil dadurch das Leben für uns alle einfacher und schöner wird.

 

Interview: Daniela Klein, Beauftragte für Jugendpastoral im Dekanat Wels-Land

 

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Foto: Die Toten Hosen/ Credit: Paul Ripke
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