u.a. die Staatsekretärin im Wirtschaftsministerium, Christine Marek, ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer, Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel und Wirtschaftskammer-Vertreter Alfred Freundlinger, die Teilnehmer an einer Podiumsdiskussion in Rahmen der Enquete waren. Christine Marek wies dabei auf jüngste Erfolge in der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit hin, die seit 20 Monaten kontinuierlich zurückgegangen sei. Österreich stehe mit einer Jugendarbeitslosigkeitsrate von acht Prozent (der 14- bis 25-Jährigen) international gut da. Verbesserungsbedarf besteht laut Marek trotzdem, vor allem im Bereich der Ausbildung, die stärker als bisher in ein "lebenslanges Lernen" müden müsse. Dass eine gute Ausbildung der Schlüssel für einen erfolgreichen Berufseinstieg sei, erkenne man an der Tatsache, dass Jugendliche mit Pflichtschulabschluss ein acht Mal höheres Risiko haben als Uni-Absolventen, keinen Arbeitsplatz zu finden. 17 Prozent der Pflichtschulabgänger seien arbeitslos.
Laut ÖGB-Präsident Hundstorfer hat sich das Lehrstellenangebot in Österreich in den vergangenen 15 Jahren um 85.000 freie Plätze reduziert. Die Sozialpartner hätten Anfang Oktober ein weitreichendes und auch in Bezug auf die Finanzierung durchdachtes Paket vorgelegt, wie Jugendarbeitslosigkeit effektiv bekämpft werden kann. Hundstorfer nannte u.a. die Forcierung einer "Berufsmatura", verpflichtende Mediation vor dem Abbruch einer Lehre und gezielte Berufsinformation in der 7. und 8. Schulstufe. Das Image einer Lehre müsse gegenüber dem Besuch einer höheren Schule aufgewertet werden.
Auf die weitgehend übersehene Gruppe jener Jugendlichen, die weder eine Schule besuchen noch eine Lehre absolvieren, die auch nicht als Hilfsarbeiter tätig sind oder beim AMS aufscheinen, wies AK-Präsident Tumpel hin: Nicht weniger als acht Prozent eines Jahrganges fielen in diese Gruppe - doppelt so viele wie in vergleichbaren Ländern. Tumpel forderte mehr und besser qualifizierte Lehrstellen, aber auch Schulen, die gezielter auf den Beruf vorbereiten.
Vorbehalte gegen die KJÖ-Forderung, Lehrlingen weiterhin Kündigungsschutz zu bieten, äußerte Wirtschaftskammer-Referent Freundlinger. Dies würde manche Betriebe davon abhalten, Lehrlinge auszubilden. Er plädierte dafür, schulische Ausbildung über das 9. Pflichtschuljahr hinaus vorzusehen: "Mir tut es weh, wenn ein 15-jähriger sagt: Ich bin arbeitslos."
"Jugend-Bischof" Lackner: "Kenne das Problem"
Der Grazer Weihbischof Franz Lackner, der als "Jugend-Bischof" an der Enquete teilnahm, sagte im Gespräch mit "Kathpress", 60.000 arbeitslose Jugendliche in Österreich dürften die Verantwortlichen "nicht ruhig schlafen lassen". Er wolle das Thema auch in der Bischofskonferenz einbringen und anregen, dass auch die katholische Kirche als wichtige Arbeitgeberin mehr Lehrstellen schafft. Dies würde der Sache dienen und der Kirche bei der Jugend auch Sympathie einbringen. Auch Kooperationen mit der Wirtschaft kann sich der Bischof vorstellen, wenn es um die Ausbildung von "soft skills" wie kommunikative und sozial-karitative Fähigkeiten geht.
Er kenne das Problem Jugendarbeitslosigkeit aus eigener Erfahrung, berichtete Lackner. Er sei selber Elektriker-Lehrling gewesen und habe danach nicht gleich einen Arbeitsplatz gefunden, als Betonierer und Stapelfahrer gearbeitet.
Daniel Dullnig von der Katholischen Jugend wies auf die "reale Angst vieler Jugendlicher" hin, am Arbeitsmarkt nicht "anzukommen". Frühe "Brüche in der Erwerbsbiographie" müssten vermieden werden. KJÖ-Vorsitzender Peter Gebauer richtete bei der Überreichung des Forderungspaketes den Appell an die Vertreter von Politik und Sozialpartnerschaft: "Bitte nehmen Sie junge Menschen ernst und zeigen Sie dies in Ihrer Arbeit!"
Weitere Infos: H www.stellenwert.at